Begründung

Der historische Juister Bahnhof muss erhalten bleiben.

Er ist das letzte Relikt der über hundertjährigen Geschichte der leider 1982 abgeschafften Inselbahn. Hunderttausende BesucherInnen setzten hier den ersten Fuß auf die Insel. Das heute 82-jährige Gebäude ist ortsbildprägend und ein wesentlicher Bestandteil der Inselgeschichte. Eine nochmalige Veränderung des Bahnhofs wäre ein schwerwiegender Verlust seiner Identität. Ein Abriss wäre ein unwiederbringlicher Verlust.

Das Ortsbild von Juist darf nicht noch weiter in eine beliebige Austauschbarkeit abgleiten. Vielmehr muss der besondere Charakter der Insel bewahrt werden. Deshalb fordern wir die Gemeinde Juist und den Eigentümer FRISIA Reederei AG auf, den Erhalt des Bahnhofs sicherzustellen.

Begründung
A. Warum lohnt es, den historischen Bahnhof zu erhalten?

Nun, er ist einzigartig für Juist, denn das Gebäude ist das letzte Zeugnis der bedauerlicherweise aufgegebenen Inselbahn im Dorf. Mit dem Verzicht auf diese Bahn ging nicht nur ein historisches „Stück Juist“ verloren. Der Ersatz war die nüchterne und banale Hafenanlage.

B. Und nun soll möglicherweise der Bahnhof sein Gesicht verlieren oder ganz verschwinden?

Es wäre tatsächlich kein Einzelfall: Auf Juist gehen immer mehr typische Bauten verloren. Statt historischen Charme zu pflegen, werden immer mehr gesichtslose und austauschbare Investoren-Gebäude errichtet. Damit verspielt Juist seit Jahren seine Einzigartigkeit. Dem wollen wir entgegentreten und die Entscheider ermutigen, einen verantwortungsvollen Umgang mit dem historischen Erbe zu pflegen – zum Nutzen der Juister und der vielen Besucher und Stammgäste.

C. Zählen wirklich nur wirtschaftliche Aspekte?

Teuer, unrentabel und sogar baufällig (angeblich "marode") sei das Gebäude, so heißt es in mancher Diskussion. Dabei wird der Zustand "marode" von der Reederei als Eigentümerin aktuell und nach dem Fernsehbericht vehement bestritten. Vor allem wirtschaftliche Gründe werden vorgetragen. An keiner Stelle ist von der gesellschaftlichen Relevanz die Rede, die unser Grundgesetz ausdrücklich vorsieht: „Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.“

Darf man ein historisches Gebäude mit einer herausragenden Bedeutung für die Geschichte einer Gemeinde diesem Grundsatz entziehen und lediglich die Rentabilität betrachten? Natürlich darf man das nicht – und es liegt zweifellos in der Verantwortung der Eigentümerin und der Gemeinde, sich für den Erhalt dieses Bahnhofs und die Bewahrung des historischen Erbes einzusetzen.

„Argumentationen“, wie sie bereits jetzt zu hören sind, dass sich der Erhalt des Gebäudes "nicht lohne", da eine Instandsetzung und Ertüchtigung für heutige Ansprüche „zu teuer“ seien, sind erfahrungsgemäß oft vorgeschobene Schutzbehauptungen. Fakt ist, dass bei einer realistischen Berechnung der Erhalt eines alten Gebäudes in sehr vielen Fällen günstiger kommt als ein Abriss und Neubau. Dafür ist besonders die Nachhaltigkeit zu betrachten.

D. Nachhaltigkeit – ist das nicht im Sinne der Beteiligten?

Wenn der Gedanke der Nachhaltigkeit nicht außer Acht gelassen wird, werden sich völlig andere Ergebnisse bei der Berechnung der Kosten des Erhalts gegenüber einem möglichen Abriss und Neubau ergeben. Die Triebfeder für gegenteilige Behauptungen ist nur allzu häufig die Vorstellung, dass man auf einer grünen Wiese einen viel praktischeren Neubau errichten könnte.

Juists Bürgermeister Tjark Görges liess verlauten, dass der Grund für die Überlegungen zur Veränderung oder zum Abriss „der Wunsch des Nationalparkhauses sich zu vergrößern“ sei. Das ist kaum zu glauben, denn Nachhaltigkeit sollte dem Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer ein ureigenstes Anliegen sein. Die Gemeinde Juist wirbt ebenfalls mächtig und gerne mit dem Schlagwort der Nachhaltigkeit. Nehmen wir sie beim Wort!

Ist es also nachhaltig, wenn man ein bestehendes Gebäude abreißt und ersetzt? Was ist mit der Energie, die bereits in dem bestehenden Gebäude steckt? Was ist mit der Energie für den Abriss, der Entsorgung des Bauschutts? Ist es vernünftig in einer Zeit, in der der weitaus größte Teil unserer Abfälle Bauschutt ist, ohne Not weiteren Bauschutt zu produzieren?

Nein, weder unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit, noch unter finanziellen Gründen, ist einem Abriss des Bahnhofs zuzustimmen. Zumal es heute in den Bereichen der Sanierung alter Gebäude hervorragende Baustoffe gibt, die den Wert einer solchen Immobilie nach einer fachgerechten Sanierung (Bspw. Trockenlegungen Kellerwände) immens erhöhen. Deshalb lehnen wir einen Abriss "als einfachste Lösung" ab.

E. Dann doch lieber an- und umbauen?

Auch eine Umgestaltung der Gebäudehülle hätte negative Auswirkungen auf das Bauwerk, dem damit immer mehr der Eindruck seiner eigentlichen Bestimmung genommen würde. Wenn wir die kulturellen und gesellschaftlichen Spuren unserer Vorfahren beseitigen, dann verlieren wir etwas sehr Wichtiges: unsere Identität.

Der Umbau unter Erhaltung der alten Bausubstanz schließen wir hier zwar nicht aus und ist für uns das kleinere Übel anstelle eines kompletten Abrisses. Deswegen auch der Alternativ-Vorschlag.

So exponierte Bauwerke wie der Juister Bahnhof sind es wert, erhalten zu bleiben, damit auch weitere Generationen Zeugnisse von früher vorfinden.

Die Entwicklung der Insel Juist zu einem Reiseziel von mindestens nationaler Bedeutung war eng verknüpft mit dem Bahnverkehr auf der Insel. Und das über 120 Jahre. Das geplante Verwischen von so wichtigen Spuren dieser Epoche (Bahnhof, Lokschuppen "Schwarze Bude") kann nicht gutgeheißen werden.

Wir bitten deshalb auch um Ihre Stimme/ Unterschrift und das fleißige Teilen unseres Anliegens!